Zukunft geben - Fliegen lernenZukunft geben - Fliegen lernen

Kornwestheimer Zeitung vom 29. November 2014

Die Soziale Gruppenarbeit ist seit mehr als zehn Jahren in der Stadt. Sie zieht eine positive Bilanz.
Die ersten zwei Jahre waren noch etwas unruhig, aber nur wegen der Unterbringung. Die Soziale Gruppenarbeit blickt jetzt auf zehn Jahre Tätigkeit in Kornwestheim zurück – genauer auf elf Jahre und ein stringent durchgezogenes Konzept.

2014 11 29 klappe aufBegonnen hat die Evangelische Jugendhilfe im Feuerwehr-Gebäude in der Karlsstraße, aber das wurde abgerissen und das Wohngebiet Campanile dort errichtet. Die Soziale Gruppenarbeit zog in den leer stehenden Kindergarten in der Herderstraße und als die Mensa der damaligen Uhlandschule inklusive darüber liegenden Räumlichkeiten im Jahr 2005 fertig gestellt war, dorthin. Auch das Gebäude in der Herderstraße ist mittlerweile abgerissen – am Durchgang zwischen der Städtischen Galerie und der Phillip-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule hat die Gruppe aber zwei Jahre nach ihrer Installierung ihre dauerhafte Heimat gefunden, da ist sich die Trägervertreterin und Vorstandsvorsitzende Claudia Obele sicher. „Es war auch von Anfang an vorgesehen, dass wir mal hier einziehen, aber dann dauerte es eben noch eine Weile“, erzählte sie in ihrem Rückblick auf die vergangenen zehn, elf Jahre.


(Foto von Birgit Kiefer: Stehen hinter der Sozialen Gruppenarbeit (von links): die pädagogischen Mitarbeiter Armin Dachtler und Sarah Franz, Trägervertreterin Claudia Obele, Praktikant Benjamin Breuninger, Fachleiterin Dorothee Kocher.)

Wegen personeller Engpässe musste die Geburtstagsfete zum Runden verschoben werden. Die Schnapszahl wurde jetzt aber auch mit einer Feier begangen und nun wird Bilanz gezogen und auch in die Zukunft geschaut. Dort lauert vor allem eine große Unbekannte: Die verpflichtende Ganztagsschule: „Das ist ein großes Thema für uns“, stellt Obele klar, „wir werden Lücken nutzen müssen.“ Die Kinder im Grundschulalter, die in die Soziale Gruppenarbeit kommen, täten sich ja gerade mit Gruppen schwer. Sie einfach auch noch nachmittags an der Schule zu betreuen, sei daher kein Weg. Sehr individuelle Lösungen müssten mit den Schulen gefunden werden, um den Kindern den Besuch der Einrichtung der Evangelischen Jugendhilfe zu ermöglichen.

Zu bieten hat sie seit 2003 einiges: Sie werden in Kleingruppen pädagogisch begleitet, bekommen eine Tagesstruktur, eine Lern- und Leistungsförderung. Sie können zudem in der Kleingruppe mit maximal drei Schülern und einem Sozialpädagogen ihre Hausaufgaben machen, wobei es vor allem um das Lernen des Lernens geht. Armin Dachtler, pädagogischer Mitarbeiter der Sozialen Gruppenarbeit, verweist darauf, dass sie Kinder, für die das Jugendamt den Bedarf an dem Angebot festgestellt hat, zwar Spaß haben sollen, aber dahinter der Versuch stehe, ihnen demokratische Strukturen nahe zu bringen, sie Rücksichtnahme zu lehren und ihnen zu zeigen, wie ein Konsens gefunden werde. „Wenn wir zusammen Pizza backen, dann steht nicht die Pizza ihm Vordergrund“, versucht er den Ansatz in ein konkretes Bild zu packen. Beim Pizzabacken kämen Themen auf, wie: „Wer schneidet die Zwiebeln?“ Die wollten die Kinder vielleicht als Belag – aber selber schnippeln und das Brennen in den Augen hinnehmen? „Wir diskutieren dann, und wenn keiner bereit ist, die Zwiebeln zu schneiden, dann gibt es eben keine, auch wenn alle sie gerne hätten.“ Auch das sei ein Lerneffekt.
Ein, zwei Jahre kommen die Kinder in die Soziale Gruppenarbeit. Zuvor wird ein Hilfeplangespräch geführt, in dem die Ziele festgelegt werden. Was ihnen selbst am wichtigsten ist, haben die Kinder auf Pappe in Form von Luftballons geschrieben: „Wenn ich streite, dann schlag ich niemanden oder sage schlimme Wörter“, steht da. Oder: „Ich kann sagen, was mich stört und muss nicht schmollen.“ Der Umgang mit Konflikten ist eines der wichtigsten Themen für die Kinder, berichtet Obele. Die Eltern müssten hinter den Bemühungen der Sozialen Gruppenarbeit stehen, damit am Ende ein Erfolg steht, so die Erfahrungen von Dorothee Kocher, der Fachleiterin. Elternarbeit ist daher ein wichtiger Bestandteil, schließlich müssen die erlernten Verhaltensweisen auch im familiären Rahmen einen Widerhall finden.

Seit 1966 ist die Evangelische Jugendhilfe in Sachsenheim mit einer Sozialen Gruppenarbeit vertreten. Seit 2003 ist sie in Kornwestheim. Seither kommen Kinder aus dem ganzen Stadtgebiet, um soziale Kompetenzen zu erwerben, ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern. Am Eingang der Einrichtung hängt ein stilisiertes Haus mit einer Reihe Fensterläden. Hinter diesen ist jeweils ein Foto von einem der Kinder und eine Selbstdarstellung. „Wenn die Nachmittags herkommen, dann öffnen sie ihren Laden“, erzählt Sarah Franz, die ebenfalls als pädagogische Mitarbeiterin über der Mensa tätig ist. „Die machen also erst mal die Klappe aus“, ergänzt sie lachend. (Von Birgit Kiefer)

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